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Test: EVERSPACE

EVERSPACE LOGO REVIEW PC SPACE

Ein gewisses Faible für Weltraumspiele kann man deutschen Entwicklern schon attestieren. Die bekannte X-Reihe, die vier Ableger spendiert bekam, Avorion und nun EVERSPACE, das erst über Steam‘s Early-Access-Programm vorgestellt und teilweise finanziert wurde. Nun ist der Weltraum-Rogue-Like-Shooter in seiner fertigen Version erschienen und steigt als gelungener Vertreter dieser Art aus dem Early-Access-Nebel hervor. Es sieht schick aus, bietet einfache, aber motivierende, Spielmechaniken. Und ein Problem.

Während in den meisten Rogue-Likes die Story lediglich die Spielfigur motiviert, den Spieler aber meist kalt lässt, geben sich Rock Fish Games mehr Mühe eine Story zu erzählen. Ihr seht unseren Helden heftig mit einem Führungsstab debattieren. Er wird anschließend festgenommen. Kurz darauf findet ihr euch ohne Erinnerung (der Klassiker…) in eurem Raumschiff wieder und bekommt nach und nach Zugang zu euren Erinnerungslücken, je weiter wir im Universum vorankommen. Zu dem Zeitpunkt, an dem ihr mehr über den Hintergrund unseres Helden, und seine Beschäftigung, erfahrt, setzt sich das Puzzle Stück für Stück zusammen.

EVERSPACE FIGHT COMBAT

Das Spielprinzip lässt euch das Universum in Form von Sektoren, die vorgegebene Pfade aufspannen, bereisen. Kein Sektor gleicht dem anderen und bietet unterschiedliche Möglichkeiten und Risiken. So verbringt ihr erst friedlich Zeit damit, Ressourcen—die ihr für Upgrades oder Reparaturen an eurem Schiff benötigt—von Asteroiden abzubauen, um dann eine Information unserer Bord-KI zu erhalten, dass feindliche Elemente in unserem Sektor aufgetaucht sind. Jetzt können wir entweder fliehen oder den Kampf suchen. Und letzteres hat es in sich, verdammt!

Die Gegner sind schnell, zielsicher, machen eine brutale Menge Schaden (vor allem ab dem Schwierigkeitsgrad ‚Normal‘) und sind selten allein. Wer schlecht ausgerüstet ist, beißt schnell ins Gras. Und hier greift ein Spielprinzip, was mich am meisten stört. Verdiente Credits behalten wir und können vor Beginn unseres nächsten Flugs (als „Klon“) in permanente Verbesserungen unseres Raumschiffs stecken—nicht ausgegebene Credits gehen jedoch verloren!

EVERSPACE mining collecting ressources gas in space

Der nächste Flug kann bereits in fünf oder erst zwanzig Minuten vorbei sein. Ist aber alles egal, weil ihr fast jedes Mal Credits mitnehmt, die ihr für das Ausschalten von Drohnen oder Gegner bekommt, euer Schiff verbessert und somit eure Chancen erhöht. Das Spiel ist offenbar nicht darauf ausgelegt in einem Durchlauf machbar zu sein. Das gilt zwar auch für viele andere Rogue-Likes wie z.B. FTL: Faster Than Light, dort ist aber die (fehlende) Spielererfahrung der limitierende Faktor, der oft für das Scheitern sorgt. Bei EVERSPACE hat man das Gefühl, dass es das eigene Schiff ist, was oft zu schlecht ausgerüstet ist und auch gar nicht hätte besser ausgerüstet sein können—ohne unzählige Tode—wenn man bereits im zweiten Sektor auf Elite-Gegner so ungünstig stößt, dass eine Flucht nicht mehr möglich ist, und das Bekämpfen erst recht nicht.

EVERSPACE Combat Battle in Space with Freighter

Dieses Prinzip führt auch dazu, dass der Tod einen anfangs noch juckt, dann aber irgendwann irrelevant wird. Man denkt sich „zum Teufel, egal, kann ich wenigstens mein Schiff upgraden“—denn das Upgraden, in dieser Form, ist nicht während eines Flugs möglich. Waffen können beispielsweise nur temporär geupgradet werden. Das reduziert zum einen den Frustfaktor, lässt zum anderen aber auch den Nervenkitzel auf der Strecke, den man bei anderen Spielen dieser Art spürt. Was besonders schade ist, weil die Kämpfe aufgrund ihrer Brutalität und Schnelligkeit eigentlich vermitteln: jetzt geht’s um meinen Arsch! Im Grunde verliert man aber nichts außer seinen „geografischen“ Fortschritt.

Everspace Thunder electric storm

Vielleicht ist es genau das, die Intention der Entwickler, ein Rogue-Like-Lite zu liefern, bei dem man eben nicht immer wieder von vorn beginnt; also irgendwie schon, nur eben doch nicht ganz. Das ist ihnen auf jeden Fall gelungen. Genauso wie die visuelle Präsentation, die den Weltraum zwar weniger realistisch, aber deutlich faszinierender zeichnet als beispielsweise Elite: Dangerous. Mit seinen unterschiedlichen Hintergrundfarben, Nebeln, Gewittern und entfernt sichtbaren Sternen, erinnern die Sektoren von EVERSPACE stark an X-3 und X-Rebirth,  und versprühen einen mystischen Charme, der euch eintauchen lässt in ein Weltraummärchen, dass keine Gnade kennt.

EVERSPACE

Euer Schiff, wovon ihr mit Credits weitere freischalten könnt, lassen verschiedene Bemalungen zu und bietet viele Upgrade-Möglichkeiten, so dass wir nach etlichen Runden auch wirklich das Gefühl haben, stärker zu werden.

Das Interface ist dabei leicht zu bedienen; vom Aufschalten der Gegner, übers Einsammeln von Ressourcen in der Verwaltung dieser, bis hin zum Upgraden unseres Schiffes und dem Sprung in einen anderen Sektor; alles ist nur einen Tastendruck entfernt und nicht in verschachtelten Menüs zu finden. Hier steht nicht das Beherrschen der Steuerung im Vordergrund, sondern der Spielspaß und die Instant-Action.

EVERSPACE Ship Upgrade System

Wer anfänglich etwas frustresistent ist und Weltraumspiele mag, ist mit EVERSPACE gut beraten. Vor allem für schnelle Runden zwischendurch, da auf Dauer wohl etwas Inhalte fehlen, die einen immer wieder überraschen oder vor komplett neue Situationen werfen. Trotzdem gibt es diese Momente, z.B. wenn ihr Container öffnet, die nicht für euch gedacht waren und das Feuer auf euch eröffnet wird, oder ihr Satelliten hackt, in der Hoffnung auf eine Belohnung, was prompt Gegner anlockt. Manch anderer kann vielleicht den Spielfluss gestört finden und die Aufregung vermissen, aufgrund schneller Ableben, die spielerisch wenig Relevanz haben. Der Plot bedient sich der Grundlagen aus „Wie mache ich mein Publikum neugierig“, Kapitel „Amnesie“ und ist damit nicht sonderlich originell, die eigentliche Geschichte aber interessant und die Sequenzen überraschen und lassen den Spieler auch mal Abseits des Ressourcensammelns kurz zurücklehnen.

EVERSPACE ist erhältlich via GOG und Steam für 27,99 EUR.

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