Test: The Bureau: XCOM Declassified

The Bureau XCOM Declassified CoverVorwort

XCOM von Mythos Games und Firaxis hat eine lange Tradition und eine ebenso erfahrene Fangemeinde, die mit der von Jagged Alliance Hand in Hand gehen könnte. Zumindest die XCOM-Fans konnten mit Enemy Unknown ruhig gestellt werden und haben von Firaxis einen würdigen Nachfolger, der gleichzeitig auch ein neues Publikum ansprechen konnte und durch und durch gelungen ist, erhalten. Für The Bureau von 2K Marin soll dieses Publikum nun die Shooter-Gemeinde sein. Dabei hat 2K den großen Fehler gemacht, The Bureau zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt anzukündigen. Noch bevor die Fangemeinde von einem Enemy Unknown wusste und schon seit langem gierig nach einem neuen Strategie-Spiel war, wird ein Shooter angekündigt.

Groß war natürlich die Empörung und Enttäuschung. Ich hätte gerne mal Konzeptentwürfe aus der Anfangszeit gesehen, bevor der Sturm der Entrüstung dafür sorgte, dass viele Ideen umgeworfen wurden. Denn der erste Trailer vermittelte noch ein ganz anderes Gefühl als das fertige Spiel. Ich kann mich auch noch an eine vierseitige Vorschau vor etwa drei Jahren erinnern, was genau den Eindruck vermittelte, es wäre tatsächlich ein klassisches XCOM-Spiel, das man lediglich aus der Ego-Perspektive spielt.

Wer nach dieser langen Entwicklungszeit nun aber ein ähnlich gut funktionierendes Werk wie BioShock Infinite erwartet, wird enttäuscht. Denn wo 2K Games drauf steht, ist nicht immer 2K Games drin. 2K Australia war ursprünglich ein Teil von Irrational Games, die BioShock Infinite entwickelten, und in 2K Marin überging. Große Publisher und Entwickler-Verflechtungen sind also kein Garant für gute Spiele.

The Bureau XCOM Declassified Cover

Die 60er Jahre werden gut in Szene gesetzt.

Handlung

The Bureau spielt in den 60er Jahren und bietet von daher schonmal ein interessantes Szenario für einen Alien-Shooter. The Bureau, zu Deutsch das Amt, wurde ursprünglich von John F. Kennedy zur Abwehr sowjetischer Angriffe gegründet. Der XCOM-Direktor hingegen will die hochentwickelte Technik zur Bekämpfung extraterrestrischer Feinde nutzen, die er seit Entdeckung des Elements Elerium, das nicht von dieser Erde stammt, auf der Erde vermutet.

Das Spiel wirft einen rasch in das Geschehen und in die Rolle des CIA-Agenten William Carter. Der Charakter wird dabei shootertypisch inszeniert. Nicht besonders tiefgründig, aber weit entfernt davon dem Postal Dude oder Duke Nukem zu nahe zu treten. In den Zwischensequenzen bahnt sich an, dass Carter hier und dort ein paar Ecken und Kanten hat. Das Lesen seiner eigenen Personalakte liefert weitere Hintergrund-Informationen und sorgt für die eine oder andere kleine Überraschung. Das Spiel beginnt gleich mit einem lauten Knall: Carter soll einen Koffer von einer Militärbasis zur Agentur bringen. Das geht natürlich gründlich Schief.

Die Aliens habe offenkundig starkes Interesse an dem Inhalt des Koffers und greifen prompt die Basis an. Carter verliert den Koffer und kann gerade so mit zwei Kollegen entkommen. Die Situation wird ernst. Die weltweite Kommunikation ist lahm gelegt und weitere US-Militärbasen wurden nach gleichem Modus Operandi angegriffen. Im XCOM-Hauptquartier wird die Situation ausgewertet und unser Protagonist zum Teamführer ernannt, um gegen die neue Bedrohung vorzugehen.

The Bureau XCOM Declassified

Das Interface ist übersichtlich.

Spielmechanik

Wer jetzt hofft er bekommt eine waschechte XCOM-Erfahrung, die sich lediglich als Shooter anstatt als rundenbasierte Strategie präsentiert, wird enttäuscht. Alles was ihr vielleicht vor einigen Jahren über dieses Spiel gelesen habt könnt ihr vergessen. Ihr dürft zwar euer Team für jeden Einsatz mit unterschiedlichen Agenten und deren Fähigkeiten zusammenstellen, aber ihr habt nicht die Möglichkeit eure Basis auszubauen, zu forschen oder zu entwickeln. Das würde sowieso keinen Sinn machen, da ihr innerhalb kürzester Zeit einfach die Waffen der Aliens vom Schlachtfeld aufhebt und damit um euch feuert. Von Fähigkeiten, die euch aus dem Nichts einen Geschützturm bauen lassen brauche ich wohl nicht weiter zu reden.

Die Steuerung ansich ähnelt stark dem von Mass Effect. Ihr habt stets zwei Begleiter. Auf Knopfdruck lässt sich das Spiel pausieren und gibt euch die Möglichkeit Befehle zu erteilen. Die grafische Oberfläche ist hübsch und sehr gut für die Gamepad- als auch Maus- und Tastatur-Steuerung angepasst. Was nicht funktioniert ist die Ausführung der Befehle. Und wenn ich ein Spiel einen Taktik-Shooter nenne, sollte ich dafür sorgen, dass genau das, was diese Bezeichnung ausmacht, auch funktioniert.

Wenn ich aber meinen Agenten mit Nahtod-Erfahrungen sage, sie sollen gefälligst in Deckung gehen, sie tatsächlich in Deckung gehen aber weiterhin herausspähen und feuern und sich anschließend erschießen lassen, könnte ich mein Gamepad zerdrücken oder meine Tastatur zerschlagen. Die Hälfte der Zeit lief ich in den Kämpfen von Agent zu Agent, um ihn wiederzubeleben, weil ich ihnen einfach nicht sagen konnte, dass sie nicht schießen und in Deckung sitzen bleiben sollen. Und wenn das nicht funktioniert, hilft keine normalerweise sinnvolle Pausenfunktion und keine eingängige Steuerung. In dem wichtigsten Aspekt des Spiels versagt The Bureau leider.

Die Kämpfe haben durchaus ihre unterhaltenden Momente und machen Spaß. Die Zeit der Frustration überwiegt jedoch deutlich. Und da es weder ein globales Makromanagement und keine strategischen Entscheidungen in der Basis zu treffen gibt, bleibt nunmal nicht viel mehr übrig.

GrafikThe Bureau XCOM Declassified

Zumindest die PC-Version kann dank DirectX-11-Effekte grafisch und atmosphärisch gerade so überzeugen. Dennoch ist die Grafik einfacher Durchschnitt. Es gibt nichts, was ich woanders nicht schon einmal besser gesehen hätte. Aber es gibt auch nicht viel, was schlecht aussieht. Mit Ausnahme vielleicht die Kleidung der Leute, die je nach Beleuchtung oft einen comic-artigen Eindruck hinterlässt. Mag vielleicht Geschmackssache sein, passt aber nicht so recht ins Gesamtbild wie bei einem Spiel, welches durchgängig diesen Weg einschlägt (XIII, Zelda: Wind Waker, diverse Adventure-Spiele von Telltale Games).

Die Grafikoptionen bieten sich für die Unreal 3 Engine typisch vielfältig an. Mehr Einstellungsmöglichkeiten kennt man nur aus Simulationen wie beispielsweise Rise of Flight, iRacing oder den Aufbauspielen ab Anno 1701 von Related Designs beziehungsweise Blue Byte.

Sound

Zwar kracht es hier und dort ordentlich, wenn man entsprechende Waffen herausholt oder die Aliens angreifen, aber insgesamt ist mir der Sound etwas zu eintönig. Wenn die Aliens angreifen wird gefühlt immer wieder der gleiche, bedrohlich klingende Soundtrack abgespielt. Dafür ist die englische Synchronisation sehr gut gelungen. Was anderes ist man heutzutage aber auch kaum noch gewöhnt.

Der Sound der Waffe ist ebenfalls sehr dürftig. Mit einem Battlefield: Bad Company 2 oder Battlefield 3 keinesfalls zu vergleichen. Hier fehlt es sowohl an übertriebenen Krach als auch an Realismus. Irgendwie wird also keine Seite so recht bedient und was übrig bleibt sind ziemlich leise und dumpf klingende Knallgeräusche.

Abschließende Zusammenfassung

Was bleibt also, wenn die Hauptmechanik eher schlecht funktioniert und das Spiel einen weder visuell noch akustisch vom Hocker reißen kann? Zum einen macht es zumindest kurzweilig Spaß den Aliens den Arsch aufzureißen und mit den Fähigkeiten herumzuexperimentieren, auch wenn diese in der Spielatmosphäre etwas deplatziert wirken. Zum anderen ist das Szenario durchaus interessant und mal etwas anderes, auch wenn es hätte deutlich besser umgesetzt werden könnte.

Wer Shooter mag, ist schon mal grundsätzlich nicht falsch beraten. Neulingen im Shooter-Genre würde ich aufgrund der dürftigen Story, der lahmen Schlauchlevel zwischen den Kämpfen und der anfälligen KI wesentlich bessere Alternativen vorschlagen, wie zum Beispiel BioShock Infinite und dessen Vorgänger oder im Bereich Taktik-Shooter das ältere Rainbow Six: Vegas oder auch die Mass Effect Reihe.

Positive Aspekte:

· Frisches und interessantes Szenario
· Taktische Kämpfe
· Leichte, eingängige Steuerung
· Fordernder Schwierigkeitsgrad
· Variantenreiche Endgegner
· Gut inszenierte Alien-Angriffe

Negative Aspekte:

· Kein Ausbau der Basis
· Keine Forschungs- oder Bauprojekte
· Fertigkeiten wirken etwas unpassend
· Dumme Gruppen-KI
· Keine Nebenaufgaben
· Unpersönliche Geschichte

Test-System:

Microsoft Windows 7 (64 Bit)
AMD Phenom II X4 965 (3,4 GHz)
NVIDIA GeForce GTX 570 (1280 MB)
8192 MB DDR3-RAM (1600 MHz)
Gigabyte GA-770TA-UD3

Bilder

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