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Klassiker: Vampire – The Masquerade: Bloodlines

Bloodlines Sabbath

„Ein Kruzifix? Ramm‘ es ihnen in den Schädel!“

Bloodlines hat eine unglaubliche Fangemeinde und es gehört wie Deus Ex zu den Spielen, die man reinstalliert, sobald man deren Namen hört. Warum ist das selbst heute, 12 Jahre nach Release, immer noch so?

Bloodlines ist ein solcher Nachfolger, der wohl am wenigstens mit seinem Vorgänger gemeinsam hat. Bis auf Vampire nämlich fast nichts. Ansonsten weniger Rumgeheule des Protagonisten (denn technisch gesehen ist unser Held in Bloodlines stumm), fortgeschritteneres Zeitalter, denn wir spielen ausschließlich im modernen LA, mehr Ego-Perspektive, mehr Shooter, mehr Beat em Up, mehr Dialoge und mehr Möglichkeiten einen Quest abzuschließen. Und mehr Humor, sehr schwarzen Humor!

Vampire Bloodlines Intro

Worum geht’s eigentlich? Ein fieser Vampir hat uns in einer durchzechten und augenscheinlichen Liebesnacht zum Vampir gemacht. Um die Populationseindämmungsvorschriften der hiesigen Judikative in Form des Vampir-Verbandes „Camarilla“ einzuhalten, wird dein Erzeuger bestraft. Mit dem Tod natürlich, wie man es von den Amis kennt. Denn einfach neue Vampire zu erschaffen verstößt gegen geltendes Vampir-Recht, da mehr von dieser Sorte eine potentielle Bedrohung der Maskerade ist: dem Unentdecktbleiben innerhalb der menschlichen Gesellschaft. Durch Einschreiten einer offensichtlichen Schlüsselfigur, die neben anderen offensichtlichen Schlüsselfiguren, der Bestrafung beiwoht, bleiben wir am Leben. Dafür müssen wir dem Prinzen, der bezeichnende Begriff des örtlichen Oberhaupts der Camarilla, lediglich einen Gefallen tun. Man setzt uns vor die Tür, wo wir entweder ein Tutorial starten oder überspringen können. In jedem Fall landen wir letztendlich in unserem schäbigen und kleinen Apartment, das unsere Operationsbasis darstellt. Kühlschrank gefüllt mit Blut, Radio, Fernseher, Laptop mit Internet und E-Mail-Account. Alles da. Der erste Auftrag liegt bereits im Postfach und wir betreten Santa Monica zum ersten Mal als Vampir.

Wir treffen dabei auf allerhand verrückter Menschen, Monster und anderen Gestalten, von denen nicht ein einziger auch nur ansatzweise normal ist. Wir wählen in den Dialogen unsere Antwortmöglichkeiten aus, von denen, ähnlich wie bei Mass Effect oder Fallout, vieles zu den selben Antworten führt. Hin und wieder können wir dennoch den Gesprächsverlauf beeinflussen, uns wie das letzte Arschloch benehmen oder besonders höflich sein. Oder oft einfach nur völlig verrückte und absurde Antworten geben. Auch wenn viel geredet wird in Vampire Bloodlines, ist Reden Silber und Ballern bzw. Prügeln immer noch Gold. Denn es gibt viele Situationen, aus denen wir uns nicht herauslabern können und es kommt defintiv zum Kampf. Wurden dann beim Skillen die Kampf-Fertigkeiten vernachlässigt, befinden wir uns bald in der Vampir-Hölle und im Lade-Screen wieder. Blöderweise kommt der in-game Hinweis, dass man doch auch besser kämpfen können sollte, erst nach dem ersten Story-Arc, nachdem man schon einen teils mächtigen Zwischenboss besiegen musste. Meta-Wissen vorauszusetzen ist leider immer unelegant für Singleplayer-Erfahrungen.

Vampire Bloodlines Jeanette

Ansonsten bietet das Skillsystem eine überschaubare, aber zweckmäßige Anzahl an Skills, von denen balancing-technisch betrachtet der eine oder andere völlig vernachlässigt werden kann, ähnlich wie in Fallout 1 der Skill „Wissenschaft“ der im ganzen Spiel vielleicht ein oder zweimal gebraucht wird; und das auch nur optional. Die Vampir-Clans, von denen wir uns einen von acht zum Beginn der Charakter-Erstellung aussuchen können, bevorzugen jeweils unterschiedliche Anfangs-Skills. Die Brujah bekommen einen frei wählbaren Bonus, der Richtung Kampf geht, während andere Clans wie die Toreador oder Ventrue auf sozialere, gewaltfreiere Fertigkeiten setzen. Einzigartige, mächtige Clan-Fertigkeiten, die s.g. Disziplinen besitzen jedoch alle Clans.

Die Motivation unserer Spielfigur ist zwar etwas vage. Aber hey, wenn die Leute kein Problem mit der Attitüde des Dark Souls Protagonisten haben, der einfach mal los stapft, weil ihm ja keiner irgendwas so richtig sagt, sollte das bei Bloodlines auch in Ordnung gehen. Zumal tatsächlich Leute mit uns sprechen und wir uns von Auftrag zu Auftrag hangeln und vor allem die Hauptquests nahtlos in einander übergehen. Es gibt also einen deutlichen roten Faden.

The Last Round

The Last Round

Die Grafik hat bereits damals, das war 2004, nicht alles aus der Source-Engine herausgeholt, was möglich war und man schon in Half-Life 2 sah. Dennoch besticht Bloodlines durch ein düsteres Art-Design, in dem die Charaktere comic-artig dargestellt und überzeichnet werden. Man kann den Figuren Emotionen besser ablesen als in deutlich später veröffentlichen Spielen wie The Witcher 2 oder Mafia 2. Dank der performanten Source-Engine sind selbst auf steinalten Systemen passable Frameraten möglich und auf halbwegs modernen Systemen die Aktivierung von einer unschlagbaren Kantenglättung (für die Technik-Affinen: 8xSGSSAA lässt sich ohne große Probleme sowie 16xAF erzwingen), die die Bildqualität nicht besser darstellen könnte.

Vampire Bloodlines VV Velvet

Und was machen die Bugs? Nach etwa 12 Jahren sollte man meinen, dass so langsam der letzte von der Community bereitgestellte Patch eintrudelt. Aber vermutlich wird es so lange inoffizielle Patches geben, so lange auch nur noch ein die-hard Fan von Bloodlines lebt. Die aktuelle Version zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels ist 9.5 bzw. 9.6 in der Beta-Version. Dennoch bekommt man manche Sachen nicht ausgemerzt, was wohl an der Engine liegen muss. So gibt es immer noch Unsauberkeiten am Benutzer-Interface, hin und wieder merkwürdige Grafik- und vor allem Animations- und Soundaussetzer, jedoch nichts spielzerstörendes.

Warum also solltet ihr Bloodlines wieder installieren? Diejenigen, die es bereits kennen haben vermutlich schon beim Lesen des Titel die Installationsroutine gestartet. Jedem, der das Spiel noch nicht kennt und nicht gespielt hat, lege ich es wärmstens ans Herz. Technisch merkt man dem Spiel einen gewissen antiken Flair an, der natürlich nicht so weit zurückgeht wie man bei einem Fallout vor dessen Teil 3 erwartet. Bloodlines ist unglaublich atmosphärisch und kann bisweilen wirklich hübsch aussehen. Zusammen mit dem anti-christlichen und dunkelschwarzen Humor versprüht das Spiel unglaublich viel Charme, auch wenn es zu Entwicklungszeiten nie die Zeit bekam, die es benötigt und gut getan hätte.

 

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