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Unsinnigkeit der Prozent-Bewertungssysteme

Wie bereits angekündigt, nun das Endergebnis meiner geistigen Ergüsse. Diese könnt ihr auch als “hochwertiges” *.pdf file herunterladen. Zum Download: Unsinnigkeit der Prozent-Bewertungssysteme

Jeder kennt es und jeder hat es auch schon einmal erwähnt. „Eher ein durchschnittliches Spiel, 70%, mehr nicht!“. „Super Spiel, aber für 90% reicht es nicht.“ Solche oder ähnliche Sätze hat bestimmt schon jeder einmal gehört oder selbst niedergeschrieben oder in Unterhaltungen erwähnt. Die Rede ist von dem Bewertungssystem, auf das viele Magazine zurückgreifen, sowohl Online als auch in den Printmedien. Bis vor ihrem Relaunch verwendete die Seite DemoNews.de das 100er System, 4Players.de bedient sich immer noch diesem Bewertungssystem, ebenso wie zahlreiche andere Printmagazine (und deren Onlineauftritte) wie z.B. die PC Games und deren Schwester PC Action. Die Bravo Screenfun damals, die ich als kleiner Knirps immer sehr gerne gelesen hatte, bediente sich dem einfachen Schulnotenprinzip. Das mag zwar stark vereinfacht sein und zum „Bravo-Stil“ passen, aber letztendlich konnte man damit immer mehr anfangen, als mit Prozentwertungen, bei der alles unter 80% ja schon fast schlecht ist. Eine „1“ hieß, dass Spiel muss man haben! Eine „2“ bedeutete, man sollte unbedingt darüber nachdenken es sich zu kaufen, eine „3“ hieß, Fans des Genres können zuschlagen, sollten aber nicht zu euphorisch sein. Der Rest ergibt sich in den letzten drei Abstufungen von selbst. Wie können wir uns also das Bewertungssystem erklären? Wonach bewertet man? An einigen objektiven Fakten und zum größten Teil an subjektiven Empfindungen. Wenn ich etwas sehr gut finde, also unschlagbar, gebe ich eine „1“, ist es gut, aber an vielen Stellen verbesserungswürdig, eine „2“. Aber woran messen wir die Grafik um sie zu bewerten? An der aktuellen Technik und den aktuellen Spielen, die sie verwenden. Wenn ich einem Call of Duty 4 zum Release in der Grafik eine „1“ gebe, was würde dann ein Crysis bekommen? Ergo, muss ja Call of Duty 4 eine „2“ bekommen, denn Crysis 1 sieht doch deutlich besser aus. Und hier kommen Relationen ins Spiel. Und diese lassen sich bekanntlich hervorragend in Prozent ausdrücken. Hier hätten wir also einen Ansatz, der uns zu den Prozentbewertungen bringt. Aber auch daraus ergeben sich mehrere Probleme.

Zum einen: Wenn wir von Prozent reden, muss es ein Bezugsystem geben, auf das sich die Prozente beziehen. Denn nichts anderes sagen Porzente aus. An diesem Wert muss sich also jedes Spiel in seiner Bewertung messen. Aber was sind die 100 Prozent bzw. wer bekommt sie? Wenn wir uns im Spiele-Sektor bewegen, ganz einfach das Spiel mit der besten Grafik. Und das war zu seinem Release mit Abstand Crysis mit seiner CryEngine. Dass das nicht nur auf subjektiven Empfindungen beruht, lässt sich durch Fakten wie hochauflösende Texturen und zahlreiche Grafikfeatures, sowie der umfangreiche Einsatz einer Physikengine und DirectX 10 Unterstützung belegen. Das bedeutet, Crysis würde im grafischen Bereich die 100% bekommen, und daran gemessen, werden die anderen Spiele abgestuft. Jetzt kommen wir aber schon zum offensichtlichsten Problem: Crysis hat keine 100% bekommen. Gamingtrend.com vergibt beispielsweise 98%. Worauf beziehen sich dann die Prozente, wenn es 100% offensichtlich in der Praxis nicht gibt? Das führt das ganze System ad absurdum Welches Spiel bekommt 100%? Das heißt, das Prozent-Zeichen können wir uns schenken, denn offenbar handelt es sich hier nicht um relative Werte, was Prozente eigentlich ausdrücken. Wenn es sich also um absolute Werte handelt, kommen wir zum nächsten Problem. Wir müssen das Bewertungssystem also als ein System mit maximalen 100 Punkten betrachten. Wer ist aber in der Lage zwischen 100 und 99 Punkten zu differenzieren?

Zum Glück besinnen sich einige Magazine auf dieses System, wie z.B. IGN.com oder Gamespot.com. Der Onlineauftritt der PC Games vergibt zumindest bei den Leserwertungen in den Teilgebieten wie Grafik und Sound Punkte nach einer Zehner-Skala. Es ist also ein Trend abzusehen. Gleichzeitig kann ich auch verstehen, dass viele Magazine immer noch an dem alten System festhalten wollen. Denn es gibt einen groben Überblick, den der Spieler gewohnt ist. So sind alle Spiele ab 80% gut und empfehlenswert, während Spiele ab 60% bis 79% eher für Genre-Fans sind bzw. für diejenigen, die mehrere Schwächen hinnehmen können. Generell gilt aber: Egal welches Bewertungssystem, Bewertungen anderer Spieler sollten nur ergänzend hinzugezogen werden und können sich erheblich von der eigenen Meinung unterscheiden. Wer sich wirklich sicher sein will, sollte unbedingt die Demo zu einem Spiel ausprobieren, sofern denn eine verfügbar ist. Andernfalls kann man sich das Spiel für zwei, drei Euro aus der örtlichen Videothek ausleihen und in einen größeren Umfang testen als es eine Demo zulassen würde. Auch sollten Freunde konsultiert werden, die in etwa den gleichen Geschmack haben oder das Spiel gar besitzen. Sollte man sich auf Reviews verlassen wollen, ist es empfehlenswert mehrere Seiten zu Rate zu ziehen und auch nicht immer auf die „Großen“ zu vertrauen. Gerade die kleineren Seiten und Blogs, bieten meist eine differenziertere Blickweise, da sie ihre Tests weder unter Zeitdruck, Werbedruck noch unter „Berufszwang“ schreiben, denn sie machen es freizeitlich, sind „normale“ User und achten auf andere Dinge. Auch haben die kleinere Blogs oder Seiten kein spezielles „Image“ zu erfüllen, wie es z.B. bei 4Players der Fall ist. Übersicht, Logik und Differenzierbarkeit sollte schon der Anspruch einer Rezension und damit auch eines entsprechenden Bewertungssystems sein.

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